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Capoeira, iê PDF Drucken E-Mail

Capoeira ist ein sehr weitläufiger Begriff. Das mag dadurch bedingt sein, dass die sozialen Strukturen in die sie eingebettet ist zwar netzwerkartig verknüpft, jedoch auch unabhängig von einander sind. Auf diese Art und Weise ist es möglich, dass sich Stile und philosophische Interpretationen einzelner Menschen in ihrer eigenen Weise und ihrem eigenen Wirkungsbereich entfalten. Das heißt nicht, dass es keine Gemeinsamkeit der Stile der einzelnen Gruppen gäbe. Auffällig ist natürlich vorrangig die starke Trennung von Capoeira de Angola und Capoeira Regional, die insbesondere dafür verwendet wird den Unterschied zwischen Pflege einer Tradition und der steten Annektion neuer Einflüsse zu verdeutlichen.

Capoeira als Ähnlichkeitsklasse von Bewegungen betrachtet vermag in ihrer Ganzheit jedoch weit mehr als nur das eine vom anderen zu scheiden. Die soziale Einbettung des sportlichen Kontext, der ritualisierte Umgang mit Körper und Gesang kann in einer anderen Lesart als der historischen dem Begriff ‚Freiheit’ und ‚Befreiung’ eine neue Bedeutung verleihen. Freiheit ist hier nicht nur die Freiheit von sozialer Unterdrückung oder allgemeiner Rassen- und oder Religionsdiffamierung. Freiheit kann hier auch psychisch und physisch auf den Einzelnen hin betrachtet werden.

Eine Befreiung des Körpers mag darin bestehen alte Bewegungs- und körperbezogene Denkmuster zu durchbrechen, beweglicher zu werden und im wahrsten Sinne des Wortes die Welt, d.h. sich selbst, auf den Kopf zu stellen.

In sozialer Hinsicht ist die Aufhebung der alltäglichen Unterschiede, in denen sich Menschen als personae im öffentlichen Leben begegnen, die Befreiung von Rolle und Zwang. Die Bühne, das Drama der Roda ist der Ort an dem frei assoziiert, gespielt, verändert werden kann.

Geistig nun ist allein schon die bewusste Reflexion darüber was geschieht, was getan wird und was sich ändert. Aber auch eine tatsächliche philosophische Übertragung der Kategorien der Veränderlichkeit, des Spiels und der Be-Freiung sind mögliche Spielarten.

Um diese Aspekte der Capoeira jedoch zur Geltung zu bringen, sie bewusst zu fördern und zu pflegen bedarf es einer eigenen Didaktik, die nicht darauf beruhen kann stets die Wurzeln zu erinnern, die Tradition zu betonen und die Freiheit der Capoeira nur die Freiheit der schwarzen Sklaven sein zu lassen. Aber auch nicht ist es die funktionalistische Bewertung des Geschehens, die Annektion anderer Bewegungen und Rhythmen um die Effektivität in kämpferischer Hinsicht zu steigern. Die Betonung des Kampfes und bloßen Körperlichkeit bedeutet eine Dogmatik in Kauf zu nehmen, die der Reflexion entbehren muss.

Praktizieren der Capoeira bedeutet, sich mit sich selbst und seinen Grenzen zu beschäftigen. Es bedeutet Training nicht hinzunehmen, sondern aktiv daran teilzunehmen und mitzuwirken. In statischen Vermittlungsmustern wie dem Üben von Sequenzen usw. wird dieser Aspekt vernachlässigt. Die Kunst sich zu bewegen und miteinander zu kommunizieren ist kein Katechismus.

Es bedarf also

1)      der Möglichkeit während des Trainings Freiräume zu schaffen

2)      der Förderung und Unterstützung des selbstständigen Arbeitens

3)      der verbalen Rückbindung auf zugrundeliegende Kategorien während des Trainings

4)      der Neuinterpretation der Liedtexte

5)      der Vermittlung von Aktualität und Brisanz für den Einzelnen

6)      der Befreiung von Stilgebundenheit und dogmatischer Limitation

7)      des Respekts des Umgangs miteinander, der Aufrichtigkeit

8)      der gemeinschaftlichen Ausbildung von Trainern in dieser Hinsicht

Die Kompetenzen des Einzelnen anzuregen und zu unterstützen auszubilden ist das oberste Anliegen jeglichen Trainings. Stil, Präzision und Technik sind nur notwendige, aber nicht hinreichende Bedingungen für gute Übungen.

 

Mein Anliegen ist simpel formulierbar. Macht Euch Gedanken darum was genau Ihr trainiert und was Ihr tut!
   

Schlüsselworte : Worte, Gedanken, Capoeira


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